Es ist Montag Abend, und ich bin soeben aufgestanden. Das allein zeigt schon, dass irgendetwas mein Leben mal kurz aus der Bahn geworfen hat – und das war es absolut wert: Das Nova Rock 2009.
150.000 musikbegeisterte Jugendliche und Erwachsene (und auch zwei oder drei Kinder konnte ich sehen) tummelten sich auf teilweise engstem Raum in den Schlammfeldern im Nordburgenland, um ihre beliebtesten Rockbands live zu erleben.
Die Headliner auf dem Festival waren Kaliber wie Metallica, Slipknot, Faith No More, Nine Inch Nails, Kaiser Chiefs, Placebo, Guano Apes, Limp Bizkit und zum Abschluss Die Toten Hosen. Aber das waren nur die Höhepunkte, insgesamt spielten an die 60 Bands für die Fans. Mit Bungy-Jump-Kränen, Grillplätzen und ausreichend Versorgungsmöglichkeiten war auch für Rahmenprogramm und das leibliche Wohl gesorgt. Nur die bereitgestellten Toiletten und Waschplätze waren insgesamt zu wenig an der Zahl und wurden auch unzureichend gewartet. Aber gut, es war ein Festival, und jedem Besucher war klar, dass er vor allem eins werden wird: dreckig.
Donnerstag.
Schon bei der Anreise am frühen Abend konnte ich erahnen, welche Ausmaße das Ganze haben würde – die 10.000 Autos, die schon am Vortag des Festivalbeginns die Felder zierten, sprachen Bände. Und auch im Gelände ging es in ähnlichen Dimensionen weiter. Im Campingplatz angekommen (was je nach Parkplatzglück einen 15 bis 30 minütigen Fußmarsch erforderte) konnte man sich gleich einmal leicht verirren – tausende Zelte, wohin ich auch sah. Gottseidank haben JesuZ und Boki, mich schon abgeholt und zum Zeltplatz gebracht – keine leichte Aufgabe mit persönlichem Gebäck, Alkohol- und Essensvorrat für drei Tage, Schlafsack, Unterlagsmatten und Zeltbausatz auf dem Rücken. Aber nur die harten kommen durch – und so auch wir.
Freitag.
Den Vormittag konnten wir noch ruhig in der Sonne genießen, einziger Wehrmutstropfen war,
dass das Zähneputzen am öffentlichen Waschplatz auf Grund des regen Andrangs nicht möglich war – wir mussten uns also vor Ort selbst organisieren – erst hier hab ich verstanden, warum manche Leute überhaupt Mineralwasser ohne Kohlensäure kaufen.
Wir hatten schon Bekanntschaft mit den (meist besoffenen) Nachbarn gemacht, uns selbst mit Mittagessen und Unterhaltung versorgt, und am Abend gings dann zu den Headlinern in den Konzertbereich. Wie auch beim Eingang ins gesamte Festivalgelände wurde man hier brav durchsucht – in den Konzertbereich darf man nicht mal Getränke und schon gar keine etwaigen Wurfgeschoße mitnehmen.
Am Programm standen für uns nur noch Slipknot und Metallica. Slipknot is ja musikalisch gar nicht mein Fall, auf Metallica freute ich mich umso mehr – leider ließen die Herren uns doch eine halbe Stunde warten, bevor sie endlich zu spielen und grölen begannen. Und leider ging das einher mit immer stärker werdendem Regen – was doch eine Menge der Zuschauer vertrieb, und auch der mittlerweile eingetroffene Thems und ich selbst hielten es nicht mehr aus und kehrten zum Zelt zurück. Leider mussten wir dann feststellen, dass das vor Regen schützende Überzelt nicht ganz gespannt war – Thems und ich durften um ein Uhr Früh im vom Wasser durchtränktem Gewand im strömenden Regen stehend noch ein paar Zeltheringe auftreiben – drei davon haben wir uns von Nachbarn “ausgeborgt”. Schlussendlich war es geschafft, die Stimmung war zwar am Boden, aber unser Zelt trocken. Diesen Umstand wussten auch JesuZ und Boki zu würdigen, die uns bald darauf Gesellschaft leisteten – ihr eigenes Zelt war weniger dicht.
Samstag.
Gleich in der Früh beschlossen wir, nach Wiener Neustadt zu fahren, um das durchnässte Gewand abzuliefern
und uns mit frischen Shirts und Hosen einzukleiden. Außerdem wollten wir was “Gscheites” essen – naja, im Endeffekt warn wir mit Newb bei McDonalds. Der Weg am Festivalgelände und am Parplatz gestaltete sich nach dem Regenguss der letzten Nacht jedoch recht Hindernisreich – und vor allem gatschig. Es war eine einzige Schlammschlacht, doch hier sagen Bilder mehr als Worte. Aber wir haben es geschafft.
Am Nachmittag trafen wir gerade zu den letzen Klängen von Lacuna Coil wieder am Nova Rock ein – der Boden war jedoch um nichts besser geworden. Schlimmer noch, im Bereich der WC-Anlagen machte sich eine kleine Kloake breit – mein Beileid den ortsansässigen Campern.
Gegen 20 Uhr machten wir uns wieder auf zur “Blue Stage”, um uns Chris Cornell, Die Kaiser Chiefs und zum Abschluss Placebo anzuhören – alle drei schon mehr meine Richtung, und es war wirklich leiwand. Gute Stimmung, gute Musik, gute Unterhaltung, guter Rock. Anschließend verbrachten wir noch eine Weile zum Ausklingen vor unserem Zelt unter dem (nach dem Regen von uns wieder fachmännisch aufgebauten) Pavillion-Zelt. Wieder wurden ein paar Bier- und Radlerdosen geleert und einiges mit den Nachbarn kommuniziert… auf jede erdenkliche Art und Weise.
Sonntag.
Der letzte Programmtag des Festivals – nach einem guten selbstgemachten Frühstück machten wir uns auf, die Zelte teilweise schon abzubauen, denn Thems und ich mussten noch einmal nach Wiener Neustadt, und wir wollten so viel Gepäck wie nur möglich gleich mit nach Hause nehmen, um die Abreise am Abend leichter zu gestalten. Der Weg am Gelände war schon wieder einigermaßen trocken, nur die Kloake wurde immer größer und war schon ein kleiner See. Wer vorbei musste nahm meist den Weg zwischen den angesiedelten Zelten – was auch dort einiges an Gatsch bescherte. Die ansässigen Camper wohnten meist schon auf Inseln zwischen Schlamm und Exkrementen – keine angenehme Vorstellung. Aber wer soweit vorne zeltet verdient eigentlich kein Mitleid – mussten diese Leute doch wesentlich kürzer zum Parkplatz oder zur Stage gehen. (-;
Am Abend trafen wir gerade rechtzeitig ein, um uns mit JesuZ und Boki noch die Guano Apes anzuhören. Danach bahnten wir unseren
Weg tiefer in die Menge, um näher am Geschehen zu sein – denn der Auftritt von Limp Bizkit stand bevor.
Und der hatte es auch in sich – alle bekannten Nummern waren dabei, so zum Beispiel “Rollin’”, “My Way On The Highway”, “Take a Look Around” und die beiden Covers “Faith” und “Behind Blue Eyes”. Außerdem schürte Fred Durst die Gerüchte über ein neues Album…
In der Pause danach bahnten wir uns weiter nach vor, um für die Toten Hosen gewappnet zu sein. Ein netter Nebeneffekt waren die beiden feschen Mädels, die mit uns einige Obszönitäten austauschten – (falls ihr das lest, hier könnt ihr euch melden (-; ).
Und dann war es auch schon so weit, und die Toten Hosen starteten das letzte Konzert des heurigen Nova Rock. Und dieses hatte es in sich – Campino hielt gleich nach dem ersten Lied eine Rede gegen Rechtsradikalismus, und bekräftigte das dann auch gleich mit dem Anti-Nazi-Song “Madeleine”. Später durfte ein glücklicher Fan sich am Mikrofon versuchen und den wohl größten Auftritt seines Lebens absolvieren – denn Campino wollte einfach mal eine Pause und holte einen Sänger aus dem Publikum. Nach eineinhalb Stunden altbekannter Hosen-Lieder folgten auf Publikumswunsch auch noch 9 (neun!) Zugaben, inklusive einer Stage-Dive- und Klettereinlage des Leadsängers. Die Menge tobte dementsprechend, und es wurde wohl kein Fan enttäuscht.
Doch auch dieser Abend neigte sich seinem Abschluss zu und wurde mit dem traditionellen Feuerwerk schließlich beendet. Tausende Fans strömten aus dem Areal zu den Parkplätzen, die mittlerweile wieder trocken waren. Thems und ich hatten uns diesmal einen Platz am letzten Eck des Parkareals ausgesucht – was uns einen langen Gehweg bescherte. Doch dafür standen wir nur 20 Minuten im erwarteten Stau – JesuZ und Boki mussten es eine Weile länger aushalten.
Gegen vier Uhr Früh waren wir schließlich zu Hause – dreckig, verschwitzt, erschöpft – und wir bereuen nichts! Wenn also die Welt nicht untergeht, sehen wir uns nächstes Jahr wieder auf den Panonia-Fields. Have fun and Rock on!


